Wären wir ein Möbelstück, würden wir ein Festival ohne Antisemitismus veranstalten
Das kontakt-Festival stellt sich in seinem Verhaltenskodex gegen Diskriminierung und Hate-Speech und schreibt dort explizit, dass auch Antisemitismus nicht toleriert wird: https://kontakt-bamberg.de/aktuelles/2026/code-kontakt-unser-verhaltenskodex

Leider sieht die Realität anders aus: Bereits auf dem letztjährigen Festival wurde in Rahmen der Aktion „Elefant im Raum“, wo politisch aktive Gruppen vor Programmpunkten für ihr Anliegen werben konnten, unter Anderem auch der Gruppe „Bamberg for Free Palestine“ eine Bühne gegeben.

Die Gruppe „Bamberg for Free Palestine“ ist in der Vergangenheit wiederholt durch antisemitische Agitation aufgefallen. Am Jahrestag des Terrorangriffs der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2024 veranstaltete die Gruppe eine Kundgebung, die einseitig die Opfer des Gazakrieges auf Seiten der Palästinenser*innen benannte, den Terrorangriff im Jahr zuvor ignorierte und Israel dämonisierte. Die Kundgebung wurde zunächst untersagt, jedoch wurde ersatzweise eine Eilversammlung gegen die Untersagung abgehalten. Auf der Kundgebung war u. A. ein Pappschild mit der Aufschrift „Globalize the Intifada“ zu sehen. Siehe unser Statement dazu: https://kiba.noblogs.org/post/2024/10/07/gegen-terroristische-und-antisemitische-propaganda-in-bamberg/
Auf der „Nakba-Tag Demonstration“ am 17. Mai 2025 wurde unter anderem „Von Bamberg bis nach Gaza, yallah Intifada“ skandiert und damit offen zu Gewalt gegen Israel aufgerufen und antisemitischer Terror verherrlicht.

Aufgrund solcher Vorkommnisse halten wir eine aktive
Zusammenarbeit mit „Bamberg for Free Palestine“ für nicht mit
emanzipatorischen Selbstverständnissen vereinbar. Das haben wir bereits an anderer Stelle kritisiert und diese Kritik lässt sich auch auf das kontakt-Festival übertragen: https://kiba.noblogs.org/post/2026/03/25/emanzipatorisches-selbstverstaendnis-versus-antisemitische-vernichtun
Neben dem Auftritt von „Bamberg for Free Palestine“ auf dem kontakt 2025 wurde mit „kerosin95“ auch einem*r antisemitische*r Künstler*in eine Bühne gegeben. Diese Haltung zeigt sich u. A. an den Likes des*der Künstler*in auf Instagram:

Kürzlich wurde an uns herangetragen, dass „Bamberg for Free Palestine“ auch 2026 wieder auf dem kontakt-Festival aktiv sein soll. Vermutungen legen nahe, dass es einen Workshop zu Tatreez geben sollte.

Unserer klaren Positionierung gegen jeden Antisemitismus und Antizionismus folgend haben wir vor einigen Wochen die langjährige Kooperation mit dem kontakt-Festival in einer entsprechenden Mitteilung diesem gegenüber abgesagt und die oben genannten Gründe aufgeführt. Bisher haben wir zwar keine Antwort erhalten, aber in der aktuellen Fassung des Festival-Programmes ist zumindest kein Workshop von „Bamberg for Free Palestine“ zu finden. Stattdessen wurde ein anderer Programmpunkt aufgenommen, damit Antisemitismus auch weiterhin einen Platz auf dem Festival hat: „Neutraler Boden? Der Mythos der apolitischen Wissenschaft“ von „Students for Palestine Würzburg“. Im Online-Programm ist der Beitrag mit einem Bild von „Students for Palestine Würzburg“ bebildert, auf dem ein Stand mit diversen Flyern, u.a. der „Academic Boycott Campaign“, zu sehen ist. Diese Kampagne bezieht sich wiederum klar positiv auf die antisemitische „Boycott, Divestment and Sanctions“ (BDS) Kampagne.


Students For Palestine Würzburg haben laut Deutsch-Israelischer Gesellschaft (DIG) Würzburg in der Vergangenheit den Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 glorifiziert. Außerdem verbreite die Gruppe Inhalte, die jüdische Bewohner*innen Israels entmenschlichen, das Existenzrecht Israels infrage stellen sowie Berichte sexualisierter Gewalt gegen jüdische Opfer des Hamas-Massakers als „Propaganda“ bezeichnen: https://wuerzburg.deutsch-israelische-gesellschaft.de/pressemitteilung-bamberger-kontakt-kulturfestival/
Nach massiver Kritik durch die DIG Würzburg und DIG Bamberg, die Jüdische Gemeinde Franken und viele weitere antisemitismuskritische Personen hat das kontakt-Festival den Programmpunkt von „Students for Free Palestine Würzburg“ abgesagt. Im Statement des kontakt wird dies aber nicht etwa mit einem konsequenten Vorgehen gegen Antisemitismus begründet (was uns zugegebenermaßen auch verwundert, aber trotzdem gefreut hätte), sondern auf eine Art „Cancel Culture“ verwiesen, unter der das ehrenamtliche Team (in dem auch „Bamberg for Free Palestine“-Aktivist*innen sind) nun leide: „Durch dieses Statement und die Absage des Vortrags wollen wir uns nicht politisch positionieren, sondern den Druck, den wir gefühlt haben und als ehrenamtliches Team nicht tragen können transparent machen.“ Gegen Hamas-Propaganda sollte man sich aber politisch positionieren.

![Sharepic des kontakt-Festivals auf Instagram (2 von 6): "Was passiert ist. Am vergangenen Samstag veröffentlichten wie unser Festivalprogramm auf Social Media. Daraufhin erhielten wir pauschalisierende Kommentare. Schließlich wurden unsere Unterstützer*innen sowie Fördermittelgebenden [sic] mit schweren Anschuldigungen gegenüber den von uns gebuchte [sic] Programmpunkten kontaktiert und zu einem Boykott gegen unser Festival aufgerufen. Zeitgleich wurden uns als Festival vermehrt Antisemitismusvorwürfe gemacht. Diese weisen wir entschieden ab."](https://kiba.noblogs.org/files/2026/05/kontakt-2026-Statement-2-819x1024.jpeg)




Die eigenen Befindlichkeiten scheinen dem kontakt-Festival wichtiger zu sein als klare Kante gegen Antisemitismus zu zeigen. Uns erinnert das an Kurt Tucholskys Feststellung: „Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht.“
Zum seit Neuestem auch abgesagten Auftritt der Künstlerin „Sorah“ hatten wir Kritik bereits in einer Instagramstory formuliert. Zu dem Absagestatement gibt es nichts mehr hinzuzufügen, da das kontakt hier die gleiche Taktik probiert, mit der sie bei Antisemit*innen auf Instagram bereits großen Erfolg hatten: Sich als Opfer von „Cancel Culture“ inszenieren und nicht aus politischen Gründen, sondern wegen „öffentlichen Drucks“ abzusagen. Auch einen Tag später ist das nicht weniger peinlich.

Wir sind nicht bereit, die sich immer mehr in menschenfeindliche Tendenzen verschärfende Stimmung, an der im kontakt-Team keine*r so wirklich etwas auszusetzen zu haben scheint, hinzunehmen. Wir sind nicht bereit, diesen eklatanten Antisemitismus, der das kontakt-Festival fest im Griff hat, unbeantwortet stehen zu lassen. Wir sind nicht bereit zu akzeptieren, dass das kontakt-Team sich in den Statements hinter scheinbarer politischer Neutralität und eigenen Befindlichkeiten versteckt, statt explizit gegen Antisemit*innen Position zu beziehen. Wir haben daraus bereits unsere Konsequenzen gezogen und rufen auch euch auf, eure Konsequenzen dem Festival gegenüber zu ziehen, denn: Wenn es ein kontakt-Festival scheinbar nur mit Antisemitismus geben kann, dann haben wir lieber Kontaktabbruch!
