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Emanzipatorisches Selbstverständnis versus antisemitische Vernichtungsfantasien

Warum wir es problematisch finden, dass die Distel der Gruppe „Bamberg for Free Palestine“ ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellt.

Auf Instagram bewirbt der selbstverwaltete Raum „Distel Bamberg“ für den 7. März 2026 ein Mitbring-Buffet der Gruppe „Bamberg for Free Palestine“. Wir wollen im Folgenden darstellen, warum wir das für nicht vereinbar mit dem emanzipatorischen Selbstverständnis des Raums halten.

„Bamberg for Free Palestine“ nennt in seinem Selbstverständnis Israel einen „Apartheidsstaat“ und bezichtigt den einzigen jüdischen Staat des „Siedlerkolonialismus“ und eines „Genozids“. Der Themenkomplex des Antisemitismus wird von dieser Gruppe lediglich als „Rassismus gegen Jüdinnen und Juden“ verstanden, weshalb es wenig überraschend sehr viele Beispiele für antisemitische Äußerungen und Handlungen dieser Gruppe gibt: Am 7. Oktober 2024, dem ersten Jahrestag des Überfalls der Hamas auf Israel, bei dem über 1000 Menschen ihr Leben verloren, wollte „Bamberg for Free Palestine“ eine Kundgebung unter dem Titel „Ein Jahr Genozid“, in der der Angriff der Hamas mit keinem Wort erwähnt wurde, abhalten (s. unser Beitrag vom 7.10.24). Die Broschüre „Free Palestine from German guilt? Israelbezogener Antisemitismus in Bayern nach dem 7. Oktober“ der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) Bayern führt zwei Einträge zu Veranstaltungen der Gruppe: Auf einer wurde die antisemitische Verschwörungsideologie verbreitet, der Staat Israel habe die Massaker des 7.10.23 selbst herbeigeführt, auf einer anderen wurde ein Mitglied einer jüdischen Gemeinde in Bamberg namentlich erwähnt und behauptet, die Meinung von Jüdinnen*Juden sei nur zulässig, „wenn sie Apartheid und Genozid unterstützen“.

Diese Äußerungen sind keineswegs Entgleisungen, sondern gehören, wie auch im Selbstverständnis zu sehen ist, zum Programm der Gruppe. Dass aus Worten schnell Taten werden, beweist „Bamberg for Free Palestine“ ebenfalls: Am 27.7.24 wurde bei einer Demonstration der Gruppe ein*e Journalist*in aus dem Demozug heraus körperlich angegriffen, nachdem die Person von der Bühne als Feind*in markiert worden war. Diese Art der Pressefeindlichkeit sind wir sonst eher aus dem verschwörungsideologischen Milieu gewohnt.

Des Weiteren fanden sich auf Demos von „Bamberg for Free Palestine“ Demosprüche wie „Von Bamberg bis nach Gaza, yalla Intifada“ und Schilder mit Botschaften wie „Globalize the Intifada“. Der Ruf zur Intifada und zur Globalisierung dieser müssen schlicht als Aufruf zum weltweiten Judenmord verstanden werden, welcher gleichzeitig Jüdinnen*Juden wieder zu „legitimen Angriffszielen“ machen soll – spätestens der aktuelle weltweite Anstieg antisemitischer Gewalttaten müssen das klarmachen.

Sollte das nicht reichen, zeigt das jüngste Beispiel die Wahnhaftigkeit dieser Gruppe und ihrer Anhänger*innen. Weil scheinbar bei einem Bamberger Kurzfilmfestival an einer teilnehmenden Lokalität eine Person aus dem Umfeld der Gruppe „Bamberg for Free Palestine“ von den Veranstalter*innen gebeten wurde, ihre Kufiya beim Betreten des Raumes abzulegen, hielt „Bamberg for Free Palestine“ es für eine sinnvolle Idee, diese Lokalität mit einer Schmutzkampagne, die inzwischen sogar ihre eigene Instagramseite hat, zu überziehen und eine Kundgebung gegen das ganze Festival zu veranstalten. Die Kundgebung selbst war geprägt von antisemitischen Aussagen: Neben der bereits oben erwähnten Delegitimierung und Dämonisierung Israels wurde hier die Parole „Nie wieder“, die von (häufig jüdischen) Überlebenden des NS-Regimes etabliert wurde, auf den Gazakrieg bezogen. Dieser Versuch die Shoah und speziell den sich daraus ergebenden Imperativ zu universalisieren ist beschämend, zeigt sich allerdings als klassisches Muster vermeintlich „palästinasolidarischer“ Gruppen. Darüber hinaus ließ die Kundgebung eine Mobmentalität aufkommen, die auf Besucher*innen einschüchternd wirkte. Was also erreicht wurde, war keine Diskursintervention oder gar ein Anprangern angeblich „rassistischer“ Praktiken, nein: Hier wurden von „Bamberg for Free Palestine“ und dessen Umfeld die ihnen aufgezeigten Grenzen überschritten, um sich in jener Mobmentalität anschließend als Opfer darstellen zu können. All das hat den Menschen im zerstörten Gazastreifen, in der besetzten und von Gewalt überzogenen West Bank, in Israel, im Iran und sonst irgendwo auf diesem Planeten wie so oft nicht geholfen. Stattdessen wurde durch Selbstinszenierung und eine Schmutzkampagne Ehrenamtlichen, die einfach nur ein Kurzfilmfestival veranstalten wollten, noch mehr Arbeit als ohnehin gemacht. Leute, die keine wahnhaften Antisemit*innen sind, würden sich für solch ein Verhalten schämen.

Diese Gruppe hat nun aber ein gemütliches Mitbring-Buffet in einem sich selbst als emanzipatorisch verstehenden Raum bekommen. Für uns passt das nicht zusammen: Die Aussagen und Handlungen von „Bamberg for Free Palestine“ lassen sich nicht mit einer progressiven, emanzipatorischen oder linken Haltung vereinbaren. Wer in das Selbstverständnis seiner Lokalität schreibt, dass „Hilfe, Mitgefühl, Inklusion und Fürsorge“ gelebt werden sollen sowie das Ziel hat, den „politischen Kampf und Bewegungen zu stärken“, der sollte antisemitische Mobber*innen besser kein Frühstück in seinen Räumlichkeiten organisieren lassen. Unsere Kritik darf nicht missverstanden werden als ein scheinbarer Hinweis auf „besonders Extremes“, sondern muss als klare Folge radikaler und emanzipatorischer Gesellschaftskritik gesehen werden, die zum Ziel das gute Leben für alle hat. Solange dieses nämlich nicht auch für Jüdinnen*Juden gelten soll, entbehrt es jeglicher emanzipatorischer Grundlage.

Gegen jeden Antisemitismus!

Link zum gleichlautenden Beitrag von KIBA auf Instagram: https://www.instagram.com/kiba_bamberg/p/DWULcrODf4V/

Hinweis: In einer vorherigen Version des Textes war die Rede von einem „Mitbringfrühstück“ – gemeint ist: Mitbring-Buffet. Die Stelle wurde entsprechend geändert.